Oberhof

Wo heute der staatlich anerkannte Erholungsort Oberhof liegt, stand im 15. Jahrhundert nur ein einsames Rasthaus: der "Obere Hof", der als Hospiz zur Johanniterkomturei Weißensee gehörte. Er wurde angelegt, um den Fuhrleuten, die beim Überqueren des Gebirges auf der Höhe angelangt waren, wohlverdiente Rast zu gewähren. Die hier vorüberführende Paßstraße wird 1259 erstmals urkundlich erwähnt. An vielen Stellen verlief die Straße durch Höhlen und Schluchten und hatte Engstellen mit oft nur einem Meter Spurweite; deshalb durften sich die Geschirre nicht begegnen. Der Verkehr war damals derart geregelt, daß vormittags der "Aufstieg", nachmittags der "Abstieg" stattfand. Treffpunkt war der "Obere Hof". Die Wege waren steil, steinig und befanden sich in äußerst schlechtem Zustand, so daß die Pferde stark beansprucht wurden und Radbrüche am Wagen keine Seltenheit waren.

Höfe standen, vielerorts an den Handelsstraßen. Lange suchte man in Urkunden und Chroniken etwas über den zum "Oberen Hof" gehörigen "Unteren Hof" zu erfahren. Zunächst glaubte man, in dem bei Goldlauter gelegenen "Mittelhof" und in dem Suhler "Unterhof" eine Zugehörigkeit gefunden zu haben, doch die Straßenführung ließ das zweifelhaft erscheinen. Schließlich entdeckte man in einer Urkunde aus dem Jahre 1512 (Historisches Staatsarchiv Gotha): "... der hoff, der leigt awff dehr krawinckeller strassen." Weiterhin ging aus Urkunden hervor, daß die Weißenseer Johanniter an beiden Enden der Crawinkler Straße einen Hof hatten. Der Crawinkler Hof, der gesuchte "Untere Hof", war größer und verwaltete den kleineren "Oberen Hof" mit. Aus einer weiteren Urkunde, ebenfalls aus dem Historischen Staatsarchiv Gotha, geht hervor, daß die Weißenseer auf dem Kamm des Gebirges noch über weitere Besitzungen verfügten: ".... hindern Oberhoff einen Harzwaldt, den Cömter Waldt genannt" (der heutige Forstort "Harzwald"). Das Kloster Hersfeld mußte um die Mitte des 13. Jahrhunderts viel Grundbesitz verkaufen, so auch den Crawinkler Hof. Wahrscheinlich ist auch der alte "Oberhof" schon vor der Crawinkler Johanniterzeit vom Kloster Hersfeld erbaut worden.

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