Familie  S c h n o c k und ihre Freigüter in Welsleben und Atzendorf

MR Dr. Horst F. Nagel, Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Magdeburg

Die Atzendorfer Familie Schnock entstammte ursprünglich einem Freigut in Welsleben. Nach dem Tod des ältesten uns bekannten Inhabers  Cord  Snock  war der Hof 1491 an seinen Sohn L e v i n  gefallen. Im 15. Jahrhundert hatten drei Freihöfe in Welsleben existiert. Von ihnen hatte der älteste sich bis 1484 im Besitz der Familie v. Welsleben befunden und war dann von der Familie v. Pletz übernommen worden. Ein zweites Freigut hatte der Magdeburger Patrizierfamilie Lode gehört. Der Hof der Familie Schnock war relativ klein gewesen, zu ihm hatten 4 freie Hufen Land, ein Holzbusch und eine Wiese gehört. 1595 erfolgte die letzte uns bekannte Belehnung mit dem Freihof in Welsleben durch das Domkapitel, belehnt wurde Levin Schnock (oo Anna Lentze), ein direkter Nachkomme des alten Cord Schnock. Unter den Lehnsvettern wurden auch  Claus  Schnock  und seine Brüder, Levin Schnocks zu Atzendorf nachgelassene Söhne, aufgeführt. Bis 1635 hatte der Welsleber Freihof seine Qualität als ein solcher eingebüßt, auch wurde in dem Personenverzeichnis des gleichen Jahres vom 4. Februar kein Namensträger Schnock mehr genannt. (LHA. Magdeb. Cop. 112, Rep. A 3 c Tit. IV Nr. 7 b, S. 17, 56, 58, 86).

Im Laufe des 14. Jahrhunderts hatten die Freihöfe in der Umgebung Magdeburgs links der Elbe ihre ursprüngliche Bedeutung längst eingebüßt, größtenteils waren sie käuflich und für das bemittelte städtische Bürgertum als Geldanlage interessant geworden. Zu den ursprünglichen Aufgaben hatte vorrangig die Eindeutschung und Christianisierung der restlichen slawischen Bevölkerung gehört, weswegen wir im Mittelalter längs der Elbe vermehrt Freihöfe antreffen. Später mussten ihre Inhaber bei Fehden und feindlichen Aggressionen ihrem Landesherrn Heerfolge leisten und besaßen schließlich im zuständigen Grafengericht einen Schöffensitz. Im Falle von Welsleben und Atzendorf befand sich das Gericht in Mühlingen. Als Entgelt waren die Freihöfe von Zinsleistungen und anderweitigen Diensten befreit gewesen. Dafür durften die zugehörigen freien Äcker nicht hypothekarisch belastet oder verkauft werden. Der Besitz des Hofes war früher an die Familie des Hofinhabers gebunden, er konnte nur an Namensträger vererbt werden. Im Falle einer Unterbrechung der unmittelbaren männlichen Generationsfolge ging der Hof an den nächsten männlichen Verwandten und dessen Familien über, auch wenn letzterer nicht am gleichen Ort wohnhaft war. Bei Belehnungen die meist bei Todesfällen vorgenommen wurden, wurden deswegen häufig die Namen der nächsten Lehnsvettern als potentielle Erben mit aufgeführt. Nur in seltenen Ausnahmefällen konnte ein Erbzinsbauer als persönliche Auszeichnung einen Freihof erwerben.

Erbzinsbauern besaßen nur ein eingeschränktes Besitzrecht an ihren Höfen, weswegen sie ihrem Grundherrn Zinsen und Dienstleistungen zu erbringen hatten. Deswegen bedeutete noch im ausgehenden Mittelalter der Besitz eines Freihofes eine gewisse ländliche Exklusivität. Letztendlich wurden aber Sonderrechte wie die des Waffentragens und des separaten Kirchenstuhles bei zunehmender Angleichenung an die bäuerliche Umgebung speziell durch Heiraten aufgegeben. Als Relikt früherer Freiheiten hatten sich bis ins 18. Jahrhundert die Zinsvergünstigungen bei Mannlehenäcker erhalten können.

Einen zweiten Freihof hatte die Familie Schnock in Atzendorf besessen. Von den uns bekannt gewordenen fünf Söhnen des Levin Schnock (geb. etwa 1455) in Welsleben, die neben der dortigen Familie Zweige in Westerhüsen, Staßfurt und Dodendorf stifteten, erwarb  C u r d t  (geb. Welsleben etwa 1485) den Freihof in Atzendorf und wurde mit diesem am 2. Mai 1530 vom Domherrn Joachim v. Plotho belehnt. Hierdurch wurde er zum Stifter eines noch heute kraftig blühenden Atzendorfer Familienzweiges. Zuvor hatte er um 1510 eine Gertrud geheiratet, deren Familiennamen uns nicht bekannt ist, und einen Hof in Glöthe besessen. Der Vorbesitzer des Atzendorfer Freigutes Hennig Crossen war ohne Erben verstorben, so dass der Hof an das Domkapitel heimgefallen war und von Curdt Schnock für eine Summe Geldes erworben werden konnte. Zu dem Hof hatten 6 1/2 freie Hufen auf Luxdorfer und zwei Hufen auf Schwemmer Feldmark gehört, wobei es sich um Wüstungsacker südlich von Atzendorf gehandelt hatte (Cop. 113 föl. 176). 1446 war Otto v. Segherde mit diesen Ackern belehnt worden (Cop. 36 fol. 446). 1542 hatte Curdt eine Erbteilung unter seinen beiden Söhnen Levin und Marcus vorgenommen und 6 Viertel freien Acker vor Bahrendorf offenbar als Altenteil für sich behalten. Levin hatte damals l Hufe und Marcus l 1/2 Hufen vor Altenweddingen erhalten. Die Acker waren Lehen des Klosters Berge von Magdeburg und hatten bereits dem alten Curd Schnock. in Welsleben gehört (Rep. A 4 k II Nr. 5, fol. 206, Kr, 8, fol. 125, 133). Der Freihof durfte damals nicht geteilt werden und fiel an den alteren Levin. Sein Vater Curdt war vor 1561 verstorben.

Marcus dürfte etwa 1542/45 seine erste Ehe eingegangen sein. Er besaß ein Ackergut in Altenweddingen. In zweiter Ehe hatte er 1568 Catharina Rusche, eine Tochter des Drewes Rusche in Diesdorf, geheiratet. Sie hatte in ihrer ersten Ehe Valtin Betke in Altenweddingen zum Mann gehabt. Marcus verstarb 1577, seine Witwe vor 1605. Kinder des Marcus:

aus I. Ehe: a. Andreas, Atzendorf 1570, 1576

                   b. Marcus, Altenweddingen, 1581, bei. 1596 Osterweddingen

II. Ehe:       c. Hans, Förderstedt 1607, 1624 tot

                  d. Martin, Altenweddingen, 1608, 1624 e. Sanna, oo Drebs Ahrendt (gest. vor 1608) in AItenwedd ingen

Marcus älterer Bruder Levin war in Atzendorf geblieben und dürfte um 1535 den Freihof übernommen und auch um diese Zeit geheiratet haben. Der Name seiner Frau ist unbekannt. Levin starb vor 1569, mit Sicherheit vor 1571. Von seinen Söhnen wurden Claus und Marcus mit Namen bekannt, aber anscheinend hatten noch mehr existiert. Bei den Belehnungen mit dem Freigut in Welsleben 1571 und später werden "Claus und Brüder, des Levin Schnocks in Atzendorf nachgelassene Söhne" unter den Lehnsvettern aufgeführt. Ein möglicherweise dritter Sohn dürfte  Peter  Schnock in Atzendorf gewesen sein, er gehörte 1578 dem Gemeinderat an und hatte Mannlehenacker des Klosters Berge im Luxdorfer Feld unter dem Pflug (Rep. A 4 k II L Nr. 7 S. 92).

Levins älterer Sohn  Claus  muss etwa 1560 geheiratet und um diese Zeit auch ein größeres Ackergut in Ätzendorf übernommen haben (bei Carstedt Nr. 47). Es lag nahe dem Staßfurter Tor. Auf ihn und seine Familie soll am Ende der Abhandlung eingegangen werden. Sein jüngster Bruder  M a r c u s  hatte um 1565 die Bewirtschaftung des Freigutes übernommen, an dem offenbar Claus  die halben Anteile besessen hatte, die dann üblicherweise ihm im Laufe der folgenden Jahre ausbezahlt worden wären. Zur Zeit der Hofübernahme dürfte Marcus seine erste Ehe geschlossen haben, der Name dieser Frau ist nicht bekannt. Sie wurde die Mutter seines einzigen Sohnes Andreas (Drewes), geb. 1566/67. Als Inhaber des Freigutes genoss Marcus ein hohes Ansehen beim erzbischöflichen Amt in Egeln, beim Möllenvogt in Magdeburg wie auch unter den Bewohnern von Atzendorf. Es befanden sich unter den Zeugen seiner zweiten Ehestiftung am 8. September 1569 neben seinem Onkel Marcus als Freiwerber der Atzendorfer Pfarrer Johann Elias, der Amtsschreiber in Egeln Hermann Papenmeyer, der Magdeburger Möllenvogt Georgius Klehr und der Atzendorfer Richter Bonifatius Lattdorf. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau hatte Marcus Catharina, die Tochter des Richters Bastian Müller in Diesdorf, geheiratet. Aber schon kurze Zeit nach der Heirat verstarb er noch im selben Jahr. Ein halbes Jahr später schloss die junge Witwe am 18. Mai 1570 einen zweiten Ehevertrag mit Mattheus Niemann aus Wolmirsleben, dem sie dorthin folgte. Als Leibgedinge hatte sie 1/2 Hufe Acker am Hofe ihres verstorbenen Mannes erhalten. Marcus Sohn Andreas war im Alter von 3 Jahren schon Vollweise geworden (Rep. A 4 k I H 40, föl. 200 u. 207 v).

Nach den kurz aufeinander erfolgten Todesfällen von Vater und Sohn war es situationsbedingt zur Bildung einer ungeteilten Erbengemeinschaft gekommen, die jeweils unter dem Titel "Levin Schnocks Erben" mit dem Freihof belehnt wurde und an der je zur Hälfte später die Nachkommen der beiden Brüder Claus und Marcus beteiligt gewesen waren. In den Rechnungsbüchern des Amtes Egeln erscheint die Erbengemeinschaft noch 1616 und 1619, selbst noch 1668. Bis zu ihrer letzten Erwähnung 1739 im Lehnbuch des Amtes Egeln war die Zahl der zugehörigen Lehnäcker unverändert geblieben und entsprach der ersten Belehnung im Jahre 1530. Nach Carsted hatten im Jahre 1739 an den Schnock'schen Äckern 3 Acker-, 5 Halbspänner- und 6 Kossatenhöfe in Atzendorf, insgesamt 60 Namensträger Anteile besessen (Rechn. Reg. Rep. A 3 a Tit. LXVIII Nr. 2 u. 30; Rep. A 3 a Tit. LXVIII Nr. 16 u. A 9 c XIII Lit. L Nr. 15).

Marcus' Sohn Andreas waren nach dem Tod des Vaters der Wirtschaftshof und der halbe Ackeranteil des Freigutes als Erbe zugefallen. Wegen seiner noch fehlenden Mündigkeit hatte vorübergehend ein Vetter des Vaters, Andreas Schnock aus Altenweddingen, die Bewirtschaftung des Hofes übernommen. Dieser hatte sich bereits 1570 zusammen mit seinem Vater Marcus unter den Zeugen bei der wiederVerheiratung der Witwe seines Vetters befunden und dafür gesorgt, dass die 1/2 Hufe von deren Leibgedinge am Atzendorfer Hof zurückgekauft wurde. Die Neubelehnung fand Freitag vor Pfingsten 1576 statt (Rep. A 3 a Domkap. Tit. LXVIII Nr. 16, Lehnb. d. Amtes Egeln). Bereits 1600 bewirtschaftete der junge Andreas Schnock den ehemals väterlichen Freihof (Rep. A 3 a Tit. LXVIII Nr. 30) und wurde 1622 mit den beim Hof liegenden freien Ackerstücken, 4 1/2 Hufen und 3 Zins-morgen, die ihm laut vaterlichem Testament zustanden, belehnt. Hinzu kamen noch die 1/2 Hufe des einstigen Leibgedinges und 1/4 Hufe von Marcus Schnock (Altenweddingen?). Anscheinend hatte sich bis 1616 der Status des Freihofes geändert. Es mussten damals 7 Taler 8 Schilling Erbenzins jährlich entrichtet werden. Die Qualität der Äcker hatte sich hingegen nicht geändert. Offenbar war in der Zwischenzeit die Stellung des Lehnpferdes bei Todesfällen fortgefallen. (Rep. A 9 c XIII Lit. R Nr. 30). Wir müssen annehmen, dass die von Carsted in der Atzendorfer Chronik (Histor. Kommission Magdeburg 1928) unter § 43 genannten fünf Brüder; Hans, George, Ludolf, Curt und Andreas, Söhne des Andreas gewesen waren.

Nach seinem Tod hatten die Brüder anfangs dessen Hof und die zugehörigen Äcker gemeinsam besessen und bewirtschaftet. Schließlich hatte Georg den Hof übernommen und sich verpflichtet, seine Brüder anteilsmäßig auszuzahlen. Schon früh waren die Brüder Hans und Ludolf ohne Erben verstorben. Auch Georg war relativ jung verstorben und hatte nicht vermocht, wieder sämtliche Äcker beim Hof zu vereinen. Er hinterließ einen unmündigen Sohn Paul.

Der Hof muss anschließend von Georgs Bruder  Curt d. Jüngeren übernommen worden sein. Man nannte ihn zur besseren Unterscheidung zu dem in Atzendorf von 1654-1673 amtierenden Richter Curt Schnock, einem Nachkommen von Claus Schnock, den Jüngeren. Bei Carsted wird als Inhaber des Freihofes (Hof 5) an seiner statt Lewin genannt. Möglicherweise hatte dieser Irrtum seine Ursache in der in den Lehnsakten beibehaltenen Angabe "Lewin Schnocks Erben" als Hofinhaber gehabt. Wegen akuter Kriegsnöte hatte er sich mit seiner Familie in den Jahren zwischen 1637 und 1643 öfter hinter den Mauern der Stadt Staßfurt aufgehalten und hier Schutz gesucht. In Staßfurt wurden ihm folgende Kinder geboren:

a. Gories 1637

b. Ludolphus 1640

c. Paulus 1643

Auch Curt d. Jüngere war mit dem Richteramt in Atzendorf betraut worden und hatte dieses von 1673 bis zu seinem Tod 1690 ausgeübt. Er musste erleben, wie der Freihof gegen Ende des Krieges völlig zerstört worden war. Weil das zum Wiederaufbau benötigte Geld gefehlt hatte, war der Hof bis zum Tode Curts eine Ruinenstätte geblieben. Erst auf Grund des königlichen Erlasses Anfang des 18. Jahrhunderts, die Kriegsschäden endlich zu beseitigen, waren auf dem großen Grundstück des einstigen Freihofes drei Kossatenhöfe entstanden.

Curts d. Jüngeren Sohn  Paul, geb. 1643, gest. 1715, hatte sich der Bebauung der Ruinenstätte angenommen. Er hatte zweimal geheiratet und insgesamt 11 Kinder gehabt.

David  war der älteste Sohn gewesen und hatte, bevor er nach Atzendorf zurückgekehrt war, in niederländischen Diensten gestanden. Er hatte eine Hälfte der Ruinenstätte mit einem Kossatenhof (Hof 5) bebaut. Sein einziger Sohn war 1746 in die holländisch-indischen Kolonien ausgewandert.

Martin war Pauls zweiter Sohn gewesen und hatte auf dem Ruinengelände auch einen Kossatenhof (Hof 15) errichtet. Da er ohne Erben geblieben war, übergab er ihn seinem jüngeren Bruder Peter.

Andreas, Pauls dritter Sohn, errichtete gleichfalls einen Kossatenhof (Hof 14) auf dem Gelände des Freihofes, bei dem etwa 2 Hufen Lehnacker lagen und zu dem zwei Pferde gehörten. Den Hof bekam später der Sohn Andreas, ein zweiter Sohn Enoch war ledig geblieben.

Peter  geb. 1683, gest. 1741, hatte den Hof (Hof 15) seines Bruders Martin übernommen. Er war zweimal verheiratet gewesen. Den Hof übernahm der aus II. Ehe stammende Sohn Georg, der 1761 ohne männliche Erben verstarb.

Weitere Erben des Paul Schnock wohnten um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Pommern und Magdeburg. Auch sie waren Teilhaber der freien Äcker vor Atzendorf gewesen.

Wie bereits berichtet, wurde nach dem Tode des letzten alleinigen Inhabers des Atzendorfer Freigutes Levin Schnock um 1570 der beim Hof liegende Lehnacker innerhalb einer Erbengemeinschaft unter dem älteren Sohn Claus und dem unmündigen Sohn Andreas des verstorbenen Bruders Marcus geteilt. Als Lehnsältester dürfte  Claus die Familie Schnock bei amtlichen Angelegenheiten vertreten haben. In den Lehnbriefen des Freigutes in Welsleben erscheinen die Atzendorfer Lehnsvettern in den Jahren 1571-1595 mit dem Vermerk: Clausen Schnock und seine Brüder, Lewin Schnocks zu Atzendorf nachgelassene Söhne (Rep. A 3 c Tit. IV Nr. 7 b, fol. 17, 56 u. 86). Außer dem verstorbenen Bruder Marcus sind uns keine weiteren Brüder des Claus bekannt geworden. Falls solche existiert haben sollten, dürften sie sicherlich außerhalb Atzendorfs gewohnt haben.

Claus, geb. etwa 1535, gest. wahrscheinlich vor 1593, entgegen der Erwähnung bei der 1595 erfolgten Belehnung in Welsleben. 1593 verstarb seine Frau und vererbte Acker aus altem Schnock'sehen Familienbesitz in Altenweddingen. Claus besaß eine größere Ackerwirtschaft (Hof 47) in Atzendorf in der Nähe des Staßfurter Tores. Er muss um 1560 durch Heirat oder Kauf in ihren Besitz gelangt sein.

 

weiter     zurück